Fechsungen - Brunsviga

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Fechsungen? Fechsungen!
So bezeichnen wir Schlaraffen eigene Schöpfungen in Wort und Bild. Anlässlich des 99. Geburtstages von Loriot, bei den Schlaraffen der "Ehrenschlaraffe Opa Hoppenstedt", gab es im Windmond folgende Fechsung unseres Knappen 351:


 
ES Opa Hoppenstedt der Vielgestaltige
 
Eine überraschende Wiederentdeckung
 
Auch wir möchten in geistiger Verbundenheit aus Anlass seines 99. Wiegenfestes an unseren viellieben Ehrenschlaraffen denken, der für uns insbesondere ein Meister der Vielgestaltigkeit war.
 
Zu einer seiner uns besonders erinnerlichen Persönlichkeiten dürfen wir den Sassen der Schlaraffia Brunsviga nun eine außerordentliche Überraschung vorstellen. Einen Mitschnitt einer bislang unveröffentlichten Aufzeichnung aus dem Januar 1977, der erst vor wenigen Tagen im Archiv des Senders Radio Bremen entdeckt wurde. Schauet und staunet:
 
 
Guten Abend, meine lieben Freunde,
 
nicht nur das Tierreich ist voller Wunder. Auch in der Welt der Menschen gibt es mancherlei Wundersames zu entdecken. Eine solche erstaunliche wie schillernde Spezie möchte ich Ihnen heute vorstellen: den Schlaraffen (Homo Sapiens Exotica Schlaraffia Masculinum).
 
Diese bemerkenswerte Kreatur wurde das erste Mal von meinem geschätzten und verehrten Kollegen Alfred Brehm, unserem großen Tiervater, um das Jahr 1870 in einem abgelegenen und geschützten Habitat in der damaligen Reichshauptstadt Berlin entdeckt. Jenem erfahrenen Naturforscher erschien es sogleich auffällig, dass er nur männliche Exemplare jener bislang unbekannten Gattung der menschlichen Art erkennen konnte. Diese außergewöhnliche Tatsache wurde durch weitere Sichtungen, die bis heute weltweit erfolgen konnten, bestätigt, was sich in der wissenschaftlichen Nomenklatur niedergeschlagen hat.
 
Umso bemerkenswerter ist es, dass immer wieder junge, heranwachsende Exemplare des Schlaraffen beobachtet werden konnten und können. Dieses Phänomen ist bislang unerforscht, so dass zu seinem Paarungsverhalten und seiner Vermehrung verschiedene abenteuerliche Theorien entwickelt wurden, die aber wissenschaftlich nicht haltbar und in das Reich der Mythen und Mären zu verweisen sind.
 
Der Schlaraffe, gleich welchen Alters, ist ein possierliches, freundliches und friedfertiges Wesen. Als Heranwachsender weist er ein unscheinbares Äußeres auf. Mit voranschreitender Adoleszenz jedoch kommt es zu bemerkenswerten Veränderungen seiner Gestalt. Es scheint ihm eine Art Schopf zu wachsen, der fröhlich verspielte Farbtupfer setzt. Gleiches gilt für eine lappenartige Wulst im Lendenbereich. Wem jedoch der Anblick eines ausgewachsenen und geschlechtsreifen Schlaraffen vergönnt ist, wird von diesem irisierenden Anblick geblendet sein.
 
Die vereinzelten bunten Flecken des Schlaraffenjungen haben sich im Erwachsenenstadium zu einer Art Gefieder weiterentwickelt, das den Körper zur Gänze umhüllt und prachtvoll blinkert und glitzert, dass es eine wahre Freude ist. Der erfahrene Naturfreund fühlt sich sogleich an das Federkleid unseres heimischen Stockentenerpels (Anas platyrhynchos), des Fasanen unserer Feldmark (Phasianus colchicus) oder jenes des blauen Pfaus (Pavo cristatus) in unseren Gärten und Parks erinnert. Doch im Unterschied zu seinen geflügelten Geschlechtsgenossen scheint das Schlaraffenmännchen ein solch herrliches Schmuckkleid nicht zur Balz um die Gunst eines geneigten Weibchens einzusetzen, sondern vielmehr ausschließlich zur eigenen Freude an seiner Erscheinung. Auch dies ein bislang nur unzulänglich erforschtes Phänomen, das auf einen mutigen Pionier der Schlaraffiologie wartet, der sich ihm mit der ungebrochenen Kraft und steten Neugierde eines wahren Wissenschaftlers annimmt.
 
In diesem Zusammenhang möchte ich ihr Augenmerk auf weitere interessante Verbindungen zwischen diesen putzigen Kerlchen und der Vogelwelt richten. Da wäre zum einen die Vorliebe des Schlaraffen für kleine metallische Gegenstände hervorzuheben, die er zur Zierde seines  Schmuckkleids mit emsiger Beflissenheit sammelt, wie wir es ja von den Elstern (Pica pica) kennen. Auch bei der Ausgestaltung seiner abgeschiedenen, höhlenartigen Lebensräume, die er bevorzugt in alten Gemäuern einrichtet, legt der Schlaraffe großen Wert auf Zierrat jeglicher Art, Form und Beschaffenheit. Wer ein solches, von ihm selbst als Burg bezeichnetes Habitat einmal in Augenschein nehmen durfte, hat unwillkürlich an die hübschen Nester der Lauben- und Webervögel Südostasiens denken müssen.
 
Eine besonders enge, schon symbiotisch zu nennende Beziehung aber besteht zwischen dem Schlaraffen und dem Uhu (Bubo bubo), die bis in den Bereich der Religiosität zu reichen scheint und, glaubt man den wenigen erhaltenen Aufzeichnungen unerschrockener Feldforscher, Züge eines Götzendienstes annehmen kann. Es ist aber eher von einer schlichten, einfachen Spiritualität auszugehen, wie sie vielen Naturvölkern oder auch dem kindlichen Spiele eigen ist. In der Gesamtheit ist der Schlaraffe somit ...
 
 
Hier endet leider die Aufzeichnung unvermittelt. Dennoch unseres Erachtens nach ein wichtiger Beitrag, für dessen Zurverfügungstellung wir dem Sender Radio Bremen herzlich danken möchten. Uhuherzlichst!  Lulu
 
 
 
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